Zum Hesselberg
Sonntag, 17.05.2026 Wanderführer: Ralf Bresa, 18 km
Unter folgendem Link findest Du alle Billder:
https://photos.app.goo.gl/4aZSdJhNNtE3Zq6T7

Erstmals vor knapp einem Jahr von Ralf angeboten, musste die Wanderung wegen Unzulänglichkeiten seitens der Deutschen Bahn an der Strecke von Pleinfeld nach Gunzenhausen bereits mehrfach verschoben werden.
Heute sollte es endlich klappen, auch das Wetter ist ideal zum Wandern. Ralf zeigt sich begeistert bei seiner Begrüßung am Bahnhof in Wassertrüdingen, hat er doch heute in seiner mittlerweile neunjährigen Wanderführerkarriere eine persönliche Rekordbeteiligung von 23 Mitwanderern zu verzeichnen.
Wie ein Magnet scheint der Hesselberg die FAV-Wanderer anzuziehen, war er doch bisher mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Raum Schwabach nur sehr schwer zu erreichen.
Da nimmt man es schon mal in Kauf, dass die ersten fünf Kilometer bis zum Fuß des Schlößleinsbuck, einem Vorberg des Hesselberges mit 562 Metern, ohne große Höhepunkte, teils auf viel Asphalt und Schotterwegen etwas eintönig abzuspulen sind. Im Schatten von zwei halbwüchsigen Eichen legen wir eine erste Rast zum Durchschnaufen, Trinken und Kräftesammeln ein. Von nun an geht’s bergauf. Glockenblumen und rote Lichtnelken auf den letzten Metern, bevor wir in den Buchenwald eintauchen. Links ein einsamer Aronstab und etliche Maiglöckchen am Wegesrand. Erstmals taucht der Bärlauch, erst vereinzelt, dann kleinflächig auf. Die Blüten sind schon am Verwelken. Vom Burgstall oben auf dem Schlößleinsberg ist nicht viel zu erkennen. Es geht nochmal leicht bergab, bis zu einem Sattel am Übergang zum Hesselberg auf 555 m. Der Pfad wird steiler und der Bärlauch rechts und links des Weges vermehrt sich zusehends. Die Blüten werden von Meter zu Meter, den wir höher steigen, frischer und üppiger, bis die Buchen des Waldes schließlich nur noch zierendes Beiwerk sind, für eine Sinnesorgie aus Knoblauchduft und einen undurchdringlichen Bärlauchteppich am Boden. Je höher wir steigen, mischen sich die ersten Türkenbundknospen unter die Übermacht des Bärlauchs. Als wir kurz vor der Osterwiese aus dem Wald treten, werden wir von einem riesigen Teppich aus tiefblauem Wiesensalbei empfangen.

Begleitet vom Tanz der Gleitschirmflieger am Himmel über uns und ohne einen einzigen Baum wandern wir nun über die Trockenrasenhänge zum Kiosk am Hesselberg-Sendeturm, wo wir uns unsere Mittagspause aus dem Rucksack gönnen. Ein kurzer Aufstieg zum Gipfelkreuz auf 689,4 m Höhe, rundet unsere Wanderung auf die höchste Erhebung von Mittelfranken ab.
Der Rückweg zum Bahnhof von Wassertrüdingen ist nahezu dem Aufstieg gleich. Auf den Gehsteigen durch den Ort zeigen sich die Verschleißerscheinungen einiger Mitwanderer unverkennbar, 18 km sind doch kein Pappenstiel mehr für Wanderer jenseits des Renteneintrittsalters.
Lieber Ralf, wir danken dir für die tolle Idee, den Hesselberg zu erklimmen, eine anstrengende, aber sehr schöne Wanderung.
Text und Bilder: Roland Rikirsch
Was sagt die KI zum Hesselberg?
Der Hesselberg ist mit seinen 689 Metern nicht nur die höchste Erhebung Mittelfrankens, sondern ein zutiefst faszinierender, landschaftlich markanter und historisch vielschichtiger Ort. Er spiegelt die deutsche Geschichte wie ein Brennglas wider – von der Urzeit über die Antike bis hin zu den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts und der modernen Versöhnungsarbeit.
Hier ist eine historische und geologische Übersicht:
1. Die Urgeschichte: Das Jurameer und der „Zeugenberg“
Aus geologischer Sicht ist der Hesselberg ein sogenannter Zeugenberg. Vor rund 200 Millionen Jahren erstreckte sich hier ein tropisches Flachmeer (das Jurameer).
Über Jahrmillionen lagerten sich Schichten aus Ton, Sand und Kalk ab. Während die ringsum liegenden Landschaften im Laufe der Zeit durch Erosion und Flüsse abgetragen wurden, trotzte der Hesselberg durch seine harte Kalkschicht den Naturgewalten. Er ist somit ein „Zeuge“ der einstigen Ausdehnung der Fränkischen Alb. Bis heute findet man hier zahlreiche Fossilien wie Ammoniten oder Muscheln.
Der Name leitet sich übrigens wohl vom althochdeutschen „ôdi“ ab, was im 14. Jahrhundert als „Oselberg“ (öder, unbewohnter Berg) dokumentiert wurde.
2. Vor- und Frühgeschichte: Kelten und Zufluchtsort
Der strategisch günstig gelegene Berg zog schon früh Menschen an:
- Bronze- und Eisenzeit: Bereits um 1000 v. Chr. bauten Menschen den Berg zu einer gewaltigen Wehranlage aus. Auf der sogenannten Osterwiese ist noch heute ein über 1.800 Meter langes Wallsystem erkennbar. Lange Zeit wurden diese Fliehburgen den Kelten zugeschrieben.
- Römerzeit & Völkerwanderung: In unmittelbarer Nähe des Berges verlief der rätische Limes (heute zu sehen im nahegelegenen Limeseum in Ruffenhofen). In den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung nutzten die Menschen die alten Wälle des Berges wiederholt als Zufluchtsort.
3. Mittelalter und Frühe Neuzeit: Burgen und Königsbesuche
Im Mittelalter entstanden an den Hängen kleinere Turmhügelburgen (z. B. auf der Ehinger Bergseite oder der Schlößleinsbuck). Der Berg war zudem Schauplatz von Sagen, wie der von den Brüdern Grimm überlieferten Geschichte der „Schlüsseljungfrau“.
Ein historischer Meilenstein für den Tourismus war der 10. Juni 1803: Der preußische König Friedrich Wilhelm III. bestieg zusammen mit seiner Gemahlin Königin Luise den Berg (die Region gehörte damals kurzzeitig zu Preußen). Dieser Besuch markiert den Beginn der neuzeitlichen Nutzung des Hesselbergs als bürgerliches Ausflugsziel. Zu Ehren des Königs wurde später ein Denkmal errichtet und die bis heute gefeierte sommerliche Bergmesse ins Leben gerufen.
4. Das dunkle Kapitel: Der „Heilige Berg der Franken“ im NS-Regime
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Hesselberg Schauplatz einer extremen ideologischen Vereinnahmung. Der berüchtigte fränkische Gauleiter und Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer, Julius Streicher, machte den Berg ab 1930 zum politischen Wallfahrtsort.
- Die Nationalsozialisten gaben ihm den propagandistischen Beinamen „Heiliger Berg der Franken“.
- Zwischen 1933 und 1939 wurden hier die sogenannten „Frankentage“ abgehalten – gigantische NS-Propagandakundgebungen, zu denen bis zu 100.000 Menschen strömten. Auch Adolf Hitler besuchte den Berg.
- Das alte Denkmal für die Königsbesuche wurde von den Nazis gesprengt. Es gab monumentale Pläne für eine „Adolf-Hitler-Schule“ und ein Mausoleum für Streicher auf dem Plateau, die jedoch wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nie vollendet wurden. Die Fundamente einiger Bauten sind im Gelände noch sichtbar.
5. Nach 1945: Vom Propagandafels zum Ort des Glaubens und der Bildung
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches erfuhr der Hesselberg eine bewusste und radikale Umwidmung („Demokratisierung“ des Berges):
- Evangelische Landvolkshochschule: 1951 wurde auf dem Berg die erste evangelische Landvolkshochschule in Bayern gegründet (heute das Evangelische Bildungszentrum – EBZ). Man wollte den ländlichen Familien Bildung, Orientierung und ein christliches Fundament im Geiste der Demokratie bieten.
- Bayerischer Kirchentag: Aus dem Einweihungsfest der Schule entwickelte sich der traditionelle Bayerische Kirchentag auf dem Hesselberg. Er findet jedes Jahr am Pfingstmontag statt und zieht regelmäßig rund 15.000 Gläubige an.
Heute setzt sich das Bildungszentrum auf dem Hesselberg unter dem Projekt „Denkmallandschaft Hesselberg“ intensiv und kritisch mit der NS-Vergangenheit des Berges auseinander, um den Ort als Mahnmal und Lernort für kommende Generationen zu erhalten. Zudem ist der Hesselberg ein wichtiges Landschaftsschutzgebiet, ein Zentrum für den Segelflug und der Namensgeber für die Tourismusregion rund um die „Fränkische Moststraße“.