Stadtspaziergang durch die mittelalterlichen Nürnberger Märkte mit Josef Wintrich
Text und Bild von Henry Siggelkov
Alle Bilder unter:
https://photos.app.goo.gl/D7xqvD7MtRmQH4Ss9

Ein Kulturspaziergang über die historischen Nürnberger Märkte – hierzu lud der Kulturreferent des
FAV Bund Josef Wintrich am Sonntag, den 8. März ein. Und eine muntere Schar Teilnehmer ließ
sich dieses Ereignis nicht entgehen, zumal sich das Wetter an diesem März-Wochenende von der
besten Seite zeigte. Auch Schwabacher Wanderer waren dabei.
Gestartet an der Lorenzkirche ging es zunächst an der Mauthalle und dem ehemaligen Zeughaus
vorbei zum Kornmarkt.Wie der Name schon sagt, war der Platz im Mittelalter das Zentrum des
Getreidehandels. Hier wurde das Korn für die Stadtbevölkerung gewogen, geprüft und verkauft. Es
war einer der wichtigsten logistischen Knotenpunkte der Reichsstadt, um die
Lebensmittelversorgung sicherzustellen.
Überhaupt war der Handel im mittelalterlichen Nürnberg nicht auf Handelszentren wie heute
konzentriert, sondern der Warenaustausch erfolgte regional geordnet nach der Art des Gewerbes.
Weiter ging es dann zum Trödelmarkt – einem charmanten Nürnberger Ort, gelegen auf einer Insel
in der Pegnitz. Die Insel war ein Zentrum für die „Trödler“, die damals eine eigene organisierte
Berufsgruppe darstellten. Der Handel mit Gebrauchtwaren war eben oder gerade früher schon ein
wichtiger Zweig.
Der Bronze-Skulptur „Tanzendes Bauernpaar“ an der Liebesinsel zeigten wir keine
Aufmerksamkeit, sondern steuerten schnurstracks auf den Fleischmarkt zu. Markantes Merkmal ist
die Fleischbrücke über die Pegnitz mit dem Ochsenportal. Obwohl sie heute eher unscheinbar wirkt,
war sie zum Zeitpunkt ihrer Erbauung eine architektonische Sensation. Sie wurde zwischen 1596
und 1598 errichtet. Der Entwurf orientierte sich stark an der berühmten Rialtobrücke in Venedig.
Direkt am nördlichen Ende der Brücke stand das einstige „Fleischhaus“. Hier wurde das Fleisch
unter strengen hygienischen und preislichen Kontrollen der Stadt verkauft.
Natürlich war der Nürnberger Hauptmarkt eine zentrale Etappe des Spazierganges. Der Name
„Hauptmarkt“ ist übrigens vergleichsweise jung – im Mittelalter hieß er einfach nur „der Markt“.
Gehandelt wurden hier Lebensmittel für den Alltag, Luxus- und Fernhandelsgüter, saisonale Waren.
Im Jahr 1560 wurde am Markt eine der ersten deutschen Börsen eingerichtet.
In Nürnberg gibt es ein ganz besonderes Gebäude, das untrennbar mit der Geschichte des
Fernhandels verbunden ist: das Haus der Wirtschaft mit dem berühmten Wandbild des Nürnberger
Kaufmannszugs. Vorbei an diesem Gebäude und weiter über den Rathausplatz erkundeten wir dann
den Sebalder Platz an der gleichnamigen Kirche. Früher stand mitten auf dem Platz die
Moritzkapelle, an deren Nordwand sich das legendäre Restaurant „Bratwurstglöcklein“ schmiegte.
Es war eines der berühmtesten Lokale der Stadt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden
die Kapelle nicht wieder aufgebaut; heute erinnert eine steinerne Bodenmarkierung an deren
ehemaligen Standort.
Am Nürnberger Weinmarkt westlich der Sebalduskirche fand der Spaziergang seinen Abschluß. Der
Weinmarkt ist einer der geschichtsträchtigsten und heute charmantesten Plätze in der Sebalder
Altstadt. Der Name des Platzes ist Programm: In der Zeit der freien Reichsstadt war dies der
zentrale Umschlagplatz für den Nürnberger Weinhandel. Da die Trinkwasserqualität im Mittelalter
oft mangelhaft war, galt Wein neben Bier als Grundnahrungsmittel. Händler aus den Regionen
Main, Neckar, Rhein und Tauber brachten ihre Fässer hierher.
Der Handel hat in Nürnberg – der bedeutenden Kaufmannsstadt des Mittelalters und der frühen
Neuzeit – stets eine herausragende Rolle gespielt. Bei der Führung über die Marktplätze des alten
Nürnbergs ließ Josef den Handel und Austausch früherer Zeiten lebendig werden. Ein interessanter
und erlebnisreicher Spaziergang – vielen Dank Josef Wintrich.