Fränkischer Albverein Schwabach e.V.

Eckersmühlen, Hilpoltstein, Gredl, Fuchsmühle, Roth

Die Mühlen an der Roth

Donnerstag, 09.04.2026

Wanderführer: Lisa/Roland Rikirsch, 12 km

Alle Bilder findet unter: https://photos.app.goo.gl/EEdjzrfhWaVjGBz76

Bereits die Anreise nach Zell bei Hilpoltstein, unserem Startpunkt ist ein kleines Abenteuer, müssen wir doch für eine Strecke von knapp 30 km zweimal umsteigen. Erst in Roth in die „Gredl“, und ab Hilpoltstein in den Bus. Dieser bringt uns die letzten sieben Kilometer nach Zell, bekannt durch die Einrichtungen der Regens-Wagner-Stiftung die sich hier der Betreuung mehrfachbehinderter, hörgeschädigter Menschen angenommen hat.
Wenige Schritte außerhalb des Ortes stehen wir an der noch recht unscheinbaren Roth, die sich von ihrer Quelle am Altenberg bei Stauf, über Eysölden hierher schon die ersten fünf Kilometer ihren Weg gesucht hat. Auf ihrem gesamten Weg, über ca. 24 km, vom Ursprung bis zur Mündung in die Rednitz in Roth finden sich heute noch 17 Mühlen, wovon einige an der Roth zufließenden Bächen, wie dem Minbach oder Gänsbach liegen. Die Nutzung der Wasserkraft hatte schon früh, nachweislich etwa im 11. bis 14. Jahrhundert ihren Ursprung. Großteils als Stiftungen für Klöster und andere kirchliche Einrichtungen. Im Laufe der Jahrhunderte fielen sie teilweise Bränden, Plünderungen und Kriegen zum Opfer und musste mehrfach wieder aufgebaut werden, wobei dann auch Namensänderungen durchaus üblich waren.

Die heutigen Gebäude stammen größtenteils aus dem 17. bis 18. Jahrhundert oder noch später. Mit Beginn der Industrialisierung konnten die meisten Mühlen wirtschaftlich nicht mehr Schritt halten und mussten den Betrieb einstellen. Geblieben ist oft nur noch der ursprünglich landwirtschaftliche Nebenerwerb, oder als Zeichen der wirtschaftlichen Hilflosigkeit, der Verfall.
Die zwischen Eysölden und unserem jetzigen Standort bei Zell liegende Neumühle wird heute noch als Sägewerk betrieben, natürlich ohne Wasserkraft. Die am Minbach gelegene Schweizermühle ist die einzige, in der noch der Mühlenbetrieb aufrechterhalten wird. Täglich wird hier noch eine Tonne Getreide zu Mehl verschiedenster Sorten verarbeitet.
Unser Weg führt uns vorbei an der Lochmühle und der Weihersmühle mit ihrem stattlichen Wohnhaus von 1792 mit schönem Zierfachwerk, das 1999 vorbildlich renoviert wurde, nach Unterrödel. Hier wechseln wir auf die andere Seite der Roth, um nicht der überwiegend asphaltierten Straße zur Fuchsmühle folgen zu müssen. Ein gemütlicher Schotter- und Waldweg gibt uns kurzzeitig den Blick frei auf die Rothenmühle mit ihren zahlreichen Andreaskreuzen und K-Streben im üppigen Fachwerk. Leider ist sie ungenutzt und der Zahn der Zeit nagt gewaltig an ihr. Nach der Überquerung des „Gredlradwegs“ geht es immer im Wald bis zu den Fischweihern rund um die Fuchsmühle. Wir sind gut in der Zeit und leisten uns noch einen kleinen Abstecher entlang der idyllischen Weiher am Schweinszuchtbach und Hardgraben. Hier haben wir Gelegenheit zu einem kurzen Plausch mit dem Teichwirt, der uns empfiehlt, die köstlichen Karpfen in der Fuchsmühle zu probieren, weil sie aus seinem Teich stammen, den wir gerade umrunden.


Bei 30 Gästen, die gleichzeitig ihre Essensbestellung aufgeben, ist selbstverständlich etwas Geduld gefragt. Aber als die ersten Teller einschweben füllt sich unmittelbar der ganze Raum mit dem unwiderstehlichen Duft der Bärlauchbratwürste, die offenbar der absolute Favorit bei den Bestellungen sind. Die letzten zwei lasse ich mir als Mitbringsel für Lisa einpacken, leider ist es ihr noch nicht möglich an dieser Wanderung teilzunehmen. Den kleinen Rundgang um die Fischweiher haben wir allerdings am vergangenen Sonntag ausprobiert.
Gut gestärkt und erholt brechen wir wieder auf, hinüber nach Hofstetten, wo der Minbach sich mit der Roth vereinigt. Über den Wiesengrund grüßt der Turm der gotischen Kirche „Mariä Verkündigung“, die vom damaligen Kloster im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Hofstetten wurde 1142 erstmals erwähnt, als Stiftung für das Kloster Walderbach bei Regensburg und war 600 Jahre in deren Besitz. Unweit der Kirche steht die Hofstetter Mühle, ebenfalls dem Kloster zugehörig und über 700 Jahre alt. Das heutige Gebäude stammt von 1750 und musste 1975 den Betrieb einstellen, obwohl die Mühle technisch auf dem neuesten Stand war. Sie gleicht heute einem Museum, Walzenstühle, Schrotmühle, Transportbänder, Treibriemen und Transmissionen sind noch vorhanden. Eine Turbine erzeugt Strom und der ehemalige Müller Konrad Reichel besucht jeden Tag das große Haus dieser Mühle. Weitere Fischweiher begleiten nun unseren Weg bis zur Paulusmühle. Das Wasser des von der Roth abgezweigten Mühlbaches rauscht noch über das Wehr, kann aber keine Arbeit mehr verrichten, da die Mühle seit 1970 langsam aber unaufhaltsam verfällt. Unsere letzte Mühle ist die Seitzenmühle. Sie lag ursprünglich am Gänsbach, heute residiert in dem Anwesen ein Gartenbaubetrieb. Wir lassen sie links liegen und folgen nun dem Gänsbach bis ins Zentrum von Hilpoltstein, wo wir uns in der vorzüglichen Eisdiele als Belohnung für die vollbrachte Tour ein Schleckeis gönnen. Wir hatten uns ja schließlich bestes Lisawetter bestellt. Den Duft der Bärlauchbratwürste habe ich dann zu Hause meiner Lisa noch als Mitbringsel präsentiert.

Text: Roland Rikirsch

Bilder: Roland Rikirsch, Henry Siggelkow und Walter Müller

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