Hartmannshof – Heldmannsberg
Donnerstag, 14.08.2015
Wanderführer: Helmut Loch, 12 km

Die Herausforderung ist groß, kapituliert doch etwa die Hälfte der angemeldeten
Mitwanderer und Mitwanderinnen vor den prognostizierten 36 Grad Celsius, die zu
erwarten sein sollen. Das ist in Ordnung und in jedem Fall zu respektieren. Trotzdem
treffen wir uns zu acht am Bahnhof in Hartmannshof, um die Herausforderung
anzunehmen. Unser Wanderführer Helmut ist clever und umsichtig, er dreht die
Wanderung einfach um und gewinnt damit wesentlich mehr Schatten für den Aufstieg
nach Guntersrieth. Und tatsächlich gestaltet sich der Weg vorbei an der Fallmühle
und einer herrlich erfrischenden Quelle am Fuße des Weiherberges, als angenehm
schattige und luftige Unternehmung. Hin und wieder weht uns eine kühle Brise um
die Nase, die durch das Tal abwärts zieht. Ab Guntersrieth genießen wir für etwa
einen Kilometer die unbarmherzigen Strahlen der direkten Sonne. Da laufen uns
schon einige Schweißperlen über die Stirn. Aber wir sind ja angepasst und können,
dank umsichtiger Führung unseres Wanderführers immer wieder Kühlwasser
nachtanken. Pünktlich um zwölf Uhr finden wir uns auf der schattigen Terrasse vor
dem Gasthaus „Zum Schottental“ in Heldmannsberg zur Einkehr ein. Die Pause
genießen wir ausgiebig mit hervorragendem Essen und Trinken, sowie
Kirchweihküchlein zum Mitnehmen, weil am Wochenende Kirchweih ist.
Der Rückweg über Waizenfeld nach Mittelburg beschert uns kaum Kontakt mit der
Sonne, nur schattige Waldwege.

Von Mittelburg folgen wir dem ehemaligen Schulweg, markiert mit dem Roten Punkt.
Knapp drei Kilometer führte er ehemals für die Schulkinder hinunter nach
Hartmannshof. Heute existiert der Weg immer noch genauso, allerdings muss ihn
kein Schulkind mehr gehen. Für uns Wanderer eigentlich ein idealer Weg bei den
derzeitigen Temperaturen, nur ca. 400 m in der prallen Sonne, sonst immer auf
herrlich schattigem Pfad im Wald. Das neue und abwechslungsreiche an dem
heutigen Weg sind die Kunstwerke des Stallbaumer Schreiners und Holzkünstlers
Thomas Ertel, dessen Nachbarin Angela uns heute begleitet. Zwei seiner
Kunstwerke, die er aus Bäumen gearbeitet hat, die sowieso gefällt werden mussten,
weil sie altersschwach oder dürr waren, sehen wir heute auf unserem Weg. Als
erstes treffen wir auf „Barbie“, die weltberühmte Puppe, die auf einem kleinen Stuhl
sitzt, der aus einem noch im Erdreich verwurzelten Baumstumpf mit der Motorsäge
herausgearbeitet wurde. Sie musste allerdings auf ihrem Stuhl aus
Sicherheitsgründen mit einer Schraube fixiert werden, sonst gäbe es sie wohl nicht
mehr. Ein gutes Stück bergab im Wald, ebenfalls noch fest in der Erde verwurzelt,
der „Schulranzen“, ein Meisterstück, das bereits im Fernsehen gewürdigt wurde, und
das der Künstler in der Sendung selbst mit der Bemerkung: “Mir gefällt es“,
kommentiert hat. Der Ranzen hat im Lauf der Jahre etwas Patina angesetzt und der
Griff hat etwas gelitten. Aber ansonsten immer noch ein Relikt, das heute in einem
Museum stehen könnte. Zurück in Hartmannshof greife ich mit Erlaubnis von Helmut
in seine geplante Route zum Bahnhof etwas ein. Wir zweigen in den Kirchenweg ab,
der uns vorbei an den alten Felsenkellern über einige Ecken zur Friedenskirche führt.
Hier möchte ich unseren Mitwanderern und Mitwanderinnen zwei weitere Werke des
Künstlers zeigen: Den „Stuhl“ und die „Bibel“, welche er aus Bäumen, die er im Zuge
der Straßensicherung zusammen mit seinem Bruder ehrenamtlich gefällt hatte,
gearbeitet hat. Leider gibt es nichts mehr davon zu sehen. Auch die Nichte des
Künstlers, die uns als künftige Pfarrersanwärterin über den Weg läuft, kann uns keine
Auskunft über den Verbleib geben. Etwas enttäuscht wenden wir uns nun dem

Bahnhof zu, in der Hoffnung, bis zum Eintreffen unseres Zuges noch ein Bierchen
trinken zu können. Das hätte uns gut getan, aber leider ist das Gasthaus erst wieder
um 17:00 Uhr geöffnet. Wir können es verkraften, haben wir doch, dank der
umsichtigen Routenplanung von Helmut keine Hitzeschäden zu verzeichnen.
Danke Helmut!
Text und Bilder: Roland Rikrisch