Fränkischer Albverein Schwabach e.V.

Auf dem Bruckberger Weg durchs Wanderparadies
Hirschbachtal
Donnerstag, 07.08.2025
Wanderführerin: Lisa (Roland) Rikirsch, 8 km
Etwas Enttäuschung lese ich schon in den Gesichtern meiner Mitwanderinnen, als
ich ihnen am Treffpunkt die Nachricht überbringe, dass ihre hochgeschätzte,
Wanderführerin Lisa heute leider nicht in der Lage ist, die Gruppe zu führen. Sie wird
von starkem Husten und einer Erkältung geplagt und ich muss sie nun ersetzen.
Am Parkplatz in Hirschbach, im Reichental, stehen mir elf erwartungsvolle Damen
gegenüber, die vor Abenteuerlust nur so strotzen. Ihren Adrenalinspiegel hebe ich
kurz vor dem Start mit vollmundigen Schlagworten, wie „Prellstein“ –
„Höhenglücksteig“ – „Norissteig und Noristörl“ – „Mittelbergwand“ und
„Schlaraffenland“ bis zur Nasenspitze an, damit sie mir von nun an respektvoll folgen
mögen.


Um gut in Tritt zu kommen, nehmen wir heute durch den Ort den Weg auf der
Sommerseite bis zur kleinen Kirche St. Wolfgang. Erste Jacken verschwinden hier
schon wieder im Rucksack. Ich muss zugeben, ich habe mir das „Lisawetter“ heute in
seiner reinsten Form stibitzt und reklamiere es nun als meinen Verdienst. Durch
einen kleinen Tunnel und über eine schmale Treppe gelangen wir nun hinunter zur
uralten Hammermühle, welche im Mittelalter schon als Eisen- und Kupferhammer
ihre Arbeit verrichtete.


Wir passieren die Talstraße, die Hauptverkehrsader durch Hirschbach und halten
gleich nach dem Friedhof nochmal kurz inne, um über das rechter Hand etwas
oberhalb liegende „Felsenbuamhaus“ mehr zu erfahren.
Der Touristenverein „Felsenbuam“ wurde 1913 in Nürnberg gegründet und war bis
nach seiner 100-Jahrfeier 2013 noch Mitglied als Ortsgruppe im FAV. Unübertroffen
und noch heute im ganzen Hirschbachtal in den Köpfen der Bewohner präsent ist die
„Bergkirwa“, die der Verein alljährlich ausrichtete. Mit einem Sonderzug reisten die
Mitglieder und Gäste von Nürnberg an, um vom Bahnhof Hohenstadt die sechs
Kilometer hinter einer Blaskapelle nach Hirschbach zu wandern. Gutes fränkisches
Bier, flotte Blasmusik, Schieß- und Spickerbuden und eine Heringsbraterei waren
neben der hausgemachten Nudelsuppe aus der „Felsenmoidla-Küche“ Stützen des
Festes. Leider ist an so etwas wegen der Überalterung der Mitglieder heutzutage
nicht mehr zu denken. Den Verein soll es angeblich noch geben, aber, dem Zug der
Zeit folgend, ohne erkennbares Leben. Schade!!
Wir indes steigen nun hinauf Richtung Prellstein. Unterwegs treffen wir noch auf eine
in voller Blüte stehende Orchidee, die „Breitblättrige Ständelwurz“, sowie auf
verschiedene Schmetterlinge, wie Bläulinge, das Große Ochsenauge, den
Schachbrettfalter, die Spanische Flagge und später noch den C-Falter. Der Prellstein
(544 m) ist das Wahrzeichen des Fränkischen Albvereins. Hier findet alljährlich im
November eine Gedenkfeier zu Ehren der Verstorbenen aus den Ortsgruppen statt.
Eine Gedenktafel erinnert daran.


Einige von uns steigen auf der Rückseite hinauf zum Prellsteinloch, den Gipfel
ersparen wir uns, das ist nicht mehr unsere Leistungsklasse, da braucht man Hände
und Füße und absolute Schwindelfreiheit auch noch dazu.
Oberhalb der Bergwachthütte wenden wir uns nun wieder unserer Markierung, dem
Gelbring des Bruckberger Weges zu. Hoch über uns ist die blecherne Gipfelfahne auf
dem „Petrus“ auszumachen, durch dessen senkrechte Wand hier der
Höhenglücksteig führt. Wir bleiben am Fuße der Felsen. Auch so kann man diesen

aus drei Teilen bestehenden Klettersteig ganz gut genießen. Der Klettersteig wurde
von 1932 bis 1937 durch die „Alpine Gesellschaft Höhenglück“ angelegt. Der
Schwierigkeitsgrad steigert sich von Abschnitt zu Abschnitt. Er gehört zu den
Kronjuwelen der Felskletterei im ganzen Bundesgebiet. Uns genügt der steile,
weglose Aufstieg zum Rastplatz am „Scharfen Eck“ und wir genießen auf dem Weg
dort hinauf die noch blühenden filigranen Graslilien. Der Anblick der senkrechten, mit
Seil und Trittstiften begehbar gemachten Wände von unten flößt uns enormen
Respekt ein und wir entdecken dabei auch das „Hollederer Brückl“. Direkt über uns,
der Aussichtspunkt „Himmel“, der über eine andere Route von oben erreichbar ist.
Den gesuchten Gedenkstein für den 2010 hier tödlich abgestürzten Kurt Albert finden
wir allerdings nicht. Kurt Albert gilt zusammen mit seinem Freund Wolfgang Güllich
als der Erfinder der „Rotpunktkletterei“, wo ohne Zuhilfenahme technischer
Hilfsmittel, wie Haken oder Karabiner geklettert wird. Ihre so gemeisterten Routen
pflegten sie mit einem Roten Punkt zu markieren.
Zurück auf unserer bequemeren Gelbring-Markierung halten wir uns nun Richtung
Norissteig, einem weiteren Klettersteig, mit etwas geringeren Schwierigkeitsgraden,
sozusagen für die „Einsteigerklasse“. Wir nehmen am Noristörl, einem wunderbaren
Felsentor direkten Kontakt auf. Der Kletterei geben wir uns allerdings auch hier nicht
hin, obwohl der Einstieg mit fingerdicken Stahlseilen zur Sicherung durchaus
gegeben wäre. Wir bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden und genießen dafür die
dunkelrote, flüssige Köstlichkeit aus Ernas Rucksack, anlässlich ihres kürzlich
begangenen runden Geburtstags.
Auf bequemen Pfaden geht es nun mit der Dreier-Markierung nur noch bergab zur
Mittelbergwand. Wir haben sie schon bei der Einfahrt ins Hirschbachtal, hinter
Fischbrunn von der Straße aus betrachten können. Nun wollen wir ihr aufs Haupt
steigen und den Blick ins Tal genießen. Die Aussicht vom Gipfelkreuz ist grandios.
Nun erwarte ich von meiner bewundernswerten Crew eine Entscheidung: Entweder
von der Mittelbergwand zurück zum Fuß der Wand und auf dem „Zweier-Weg“
hinunter und zurück nach Hirschbach, oder direkt vom Gipfel auf dem „Dreier –Weg“
steil hinunter ins „Schlaraffenland“, wo sich versierte Kletterer aus endlosen
Steilwänden von über 60 erfassten Routen eine passende aussuchen können. Ein
klares, resolutes, einstimmiges „Ja“ klärt die Situation für die „Schlaraffenland-
Variante“. Ich bin begeistert, wollte ich diese mit Lisa und unserer Tochter schon mal
begangene Route doch längst mal wieder gehen. Wir begnügen uns auch hier mit
der Begehung am Fuße der steilen Wände, denn allein deren Anblick nötigt uns
schon größten Respekt ab. Glücklich, und auch etwas ausgepowert kommen wir
schließlich im „Goldenen Hirsch“ zur wohlverdienten Einkehr an.
Meinen tapferen Mitwanderinnen muss ich ein riesengroßes Lob aussprechen. Diese
scheinbar kurze Tour mit knapp acht Kilometern ist kein Spaziergang! Wir haben uns
vier Stunden Zeit dafür gegönnt, auch weil wir in ständigem Auf und Ab über 550
Höhenmeter zu bewältigen hatten. Da wir ja alle nicht mehr zur Jugend gehören,
muss man vor dieser Leistung ganz tief den Hut ziehen.
Text und Bilder: Roland Rikirsch

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