Natur im Altmühltal
Donnerstag, 04.09.2025
Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 10 km

Man kann die Deutsche Bahn heute nur loben. Pünktlich um 10:44 Uhr entsteigen wir im Bahnhof Solnhofen unserem Regionalexpress. Nach mehreren Zählungen und dem Abgleich mit den Unterschriften auf dem Wanderzettel, kommen wir zu dem stattlichen Ergebnis von 28 Wanderinnen und Wanderern, welche heute unsere Wanderführerin Lisa auf dieser wunderbaren Route begleiten möchten. Ideales Wanderwetter ist logischerweise als kostenfreies Extra vorab schon dazu gebucht.
Nach einer kurzen Einführung über Solnhofen mit dem Bürgermeister-Müller-Museum, in welchem der „Archaeopteryx“ zu bewundern ist, und der Sola-Basilika machen wir uns auf den Weg. Kurz nach dem Bahnhof überqueren wir die Altmühl und steigen hinauf zum Wanderparkplatz. Zu unserer Überraschung entdeckt Helga an einem Baum, förmlich klebend, eine etwa fingerdicke, ca. 60 cm lange Schlange. Unsere Recherchen ergeben, dass es sich um eine ausgewachsene, harmlose Schlingnatter handelt. Man bekommt sie wegen ihrer perfekten Tarnung relativ selten zu Gesicht, obwohl sie neben der Ringelnatter bei uns eine der häufigsten Schlangen ist. Trotzdem ist sie geschützt. Sie ernährt sich von Mäusen, Eidechsen und Blindschleichen.
Wir bewegen uns nun auf dem wohl schönsten Teil des Altmühltal-Panoramaweges, der von Gunzenhausen bis Kelheim ca. 200 km misst. Unser Abschnitt führt hoch oberhalb der Staatsstraße nach Dollnstein über die eindrucksvollen Felsformationen der zwölf Apostel nach Eßlingen. Unzählige Schmetterlinge, wie der „Hufeisenklee Gelbling“, das „Hufeisenklee Widderchen“ und der „Kleine Perlmuttfalter“ begleiten uns. Unsere Aufmerksamkeit für den teilweise recht schmalen Pfad entlang der abschüssigen Magerrasenhänge im ständigen Angesicht der zwölf Apostel und dem unter uns verlaufenden Flusstal müssen wir uns regelrecht erzwingen. Am besten gelingt dies nach der altbewährten Regel: Beim Gehen auf den Weg konzentrieren und zum Schauen stehen bleiben. Dies gilt auch, als wir den Aposteln regelrecht auf den Köpfen rumtrampeln, mit herrlicher Aussicht, aber auch senkrecht abfallenden Wänden, an deren oberen Kanten wir uns bewegen. Die Lage entspannt sich auf den letzten Metern hinunter nach Eßlingen, wo uns Wanderführerin Lisa auf die uralten Jurahäuser mit ihren dicken Dächern aus „handgezwickten“ Steinplatten aufmerksam macht. Unten am „13. Apostel“ halten wir uns die Hände als Scheuklappen vor die Augen, gilt es für uns doch „Augen zu und durch“, mag der wunderbare Biergarten auch noch so verlockend nach uns rufen.
Wir überqueren die Straße und die Altmühl und wenden uns, nach einer kurzen Begegnung mit einer ganz jungen Ringelnatter, nun dem wohl anstrengendsten Teil unserer heutigen Wanderung zu. Den markierten Weg verlassen wir nach links und ein steiler, nach dem Regen der Nacht, matschig-nasser Aufstieg erwartet uns. Garniert noch dazu mit einigen quer liegenden Bäumen, die es zu überwinden gilt. Oben am Waldrand, eine kurze Pause zum Durchschnaufen. Unser Weiterweg ist von hier aus gut einsehbar. Er führt uns, stetig ansteigend zu den noch etwas versteckt hinter Bäumen liegenden Häusern des Weilers Lichtenberg. Der kleine Ort ist der ersehnte Scheitelpunkt der Wanderung, geht es doch kurz danach rechts ab und dann nur noch hinunter zum Maxberg, dem riesigen Steinbruchgebiet oberhalb von Solnhofen. „Erlösung“ finden wir hier im „Schnorgackel“, der ursprünglichen Kantine für die Steinbrucharbeiter. Sie wird immer noch als Gaststätte betrieben und neben Wanderern, wie wir es sind und anderen Gästen kommen auch heute noch die wenigen verbliebenen Steinbrucharbeiter hierher zur Einkehr. Der Name „Schnorgackel“ stammt von einem Langarmkrebs, dem „Mecochirus longimanatus“, den man hier als Versteinerung mehrfach gefunden hat. Warum die Übersetzung des lateinischen Namens „Schnorgackel“ heißt, kann heutzutage wohl niemand mehr so richtig erklären.
Das macht uns auch nichts aus, sind wir doch begeistert, was Rita, die Wirtin vom alten Schlag, die ihre Stellung an sieben Tagen in der Woche hält, für uns gezaubert hat! Ein Büffet vom Feinsten, vom Schäuferla, über Sauerbraten und Schweinebraten, Kasseler und Wildbraten, sowie auch für die Kalorienbewussten Hähnchen und Putenbraten, dazu jeweils die passenden Soßen und Knödel, Pommes, Spätzle, Kroketten oder Kartoffeln. Als Vor- oder Nachspeise was der Garten hergibt als frisches Salatbuffet. Da schlagen unsere Herzen höher.
Irgendwann müssen wir uns wieder auf den Weg machen. Was wir bezahlt haben, das wollen wir für uns behalten, da schlagen andere Wirte die Hände über dem Kopf zusammen und wären längst ruiniert.
Wanderführerin Lisa erzählt uns noch im Steinbruchwerk, das wir durchqueren, von den „Hackstockmeistern“, einem Beruf den man in keiner Schule lernen kann. Es gibt nur noch wenige hier oben und sie arbeiten meist einsam in ihren Steinbrüchen. Sie schlagen heute noch mit Hammer und Meißel die Platten aus den Gesteinsschichten, um sie dann mit Zangen an den Rändern zu bearbeiten (zwicken), ein mühseliges Handwerk.
Von nun an geht’s bergab, hinunter zur Teufelskanzel. Über einen kleinen Umweg, weil wir vor lauter „ratschen“ den richtigen Abzweig verpasst haben. An der Schutzhütte gibt es von Helga und Gisela einen kleinen Umtrunk, für die vielen Neuwanderer in der Gruppe eine überraschende Erfahrung. Oben an der Teufelskanzel schärfe ich die Aufmerksamkeit, um nach blühenden Küchenschellen Ausschau zu halten. Eine Frühlingsblume! Tatsächlich finden wir drei blühende Exemplare, Anfang September. Wir haben hier schon im Oktober und sogar am ersten November, an Allerheiligen, blühende Küchenschellen entdeckt.

Nun ist es zum Bahnhof Solnhofen nicht mehr weit. Eifrige Handynutzer berichten übereinstimmend, dass ihre App verkündet, der Zug um 16:09 Uhr nach Treuchtlingen würde ausfallen. Wir haben nun ja Zeit und bummeln etwas, der nächste Zug fährt erst in einer Stunde. Der Bahnhof ist bereits in Sichtweite, da fährt unser Zug ein, der ja eigentlich ausfällt. Wir haben keine Chance, ihn zu erreichen. Nach einer Stunde Wartezeit, wieder die Meldung im Anzeiger: „Der Zug fällt aus“. Wir sind sicher: Der kommt ja doch! Leider stimmt diesmal die Anzeige auf der Informationstafel, er kommt wirklich nicht. Letze Chance, um 18:09 Uhr! Nach zwei Stunden kommt tatsächlich ein Zug, in den wir einsteigen können und der uns nach Treuchtlingen bringt. Hier müssen wir umsteigen und wir kommen ohne Probleme bis nach Schwabach. Da soll noch einer sagen: Bei der Bahn klappt ja doch nix!
Text und Bilder: Roland Rikirsch
Unter folgendem Link, sind alle Bilder der Wanderung abrufbar!